"Wer Ja sagt, darf auch Tante Inge ausladen", das ist der Titel eines Bestsellerbuches

von Thomas Sünder und erzählt von den Erfahrungen eines DJs, der vor allem Hochzeitpaaren zur Party aufspielt. Er kann tolle Anekdoten erzählen und gibt damit gleichzeitig wichtige Informationen an die kommende Generation von Brautpaaren weiter, denn bekanntlich kann man aus den Fehlern anderer ja lernen.

Ich kann das Buch nur sehr empfehlen!

 

Was mich zu der Geschichte von Ben und Susan bringt. Ich bekam kurz vor Weihnachten eine Email aus Florida. Das junge Paar lebt und arbeitet dort, Ben ist aber ein waschechter kölsche Jung und hat mit seinen Eltern früher immer Urlaub in Ostfriesland gemacht. Drum will er jetzt hier heiraten und seiner Liebsten und den neuen Familienangehörigen Deutschland von einer ganz anderen Seite zeigen - also nicht nur Lederhosen und Neuschwanstein und so. Der Einfachheit halber skypen wir ein paar Tage später. Die Hochzeit ist für Juni geplant, ich bin noch frei an dem Tag. Ben hat auch bereits seine Traumlokation klar gemacht: im Freundschaftstempel im Lütetsburger Park wird die freie Trauung stattfinden. Das offizielle Ja-Wort geben sich die Zwei am Vormittag, nur zusammen mit den Eltern im Standesamt in Hage. Damit aber alle Amerikaner, Freunde und Familienmitglieder dabei sein können, findet danach mittags die freie Trauung statt. Mit Dolmetscher und allem. Die Skypeverbindung ist nicht so super, drum frag ich nicht nochmals nach, was genau "ALLES" noch ist. Leider.....

Ein Vorabtreffen kann es aus genannten Gründen nicht geben, wir emailen noch ein paar Mal hin und her, wegen Vertrag und paypal-Überweisung, ist ja alles etwas aufwändiger aus USA.

Und dann ist es soweit, der große Tag ist da.

Da steh ich dann und sehe die Massen auf mich zu rollen. Ein ganzer Omnibus voller Amerikaner, zig PKW mit den Freunden und Verwandten, es nimmt keine Ende mit der Menschenflut.

Der Trauredner schliesst das Tor auf und ich kann in seinem Gesicht dieses blanke Entsetzen sehen. Die Menschenmasse wälzt sich durch den tollen Park, ein Ah und Oh  der amerikanischen Gäste an jeder Ecke. Sie bleiben stehen und bestaunend  und fotografieren jeden alten, vermeintlich historischen Stein. Eine Stunde später haben sich alle endlich bis zum Trauort, dem Freundschaftstempel vorgekämpft. Hinein passen mal grade die engste Familie und die Trauzeugen . Das Wetter ist aber freundlich und so können die Draussengebliebenen durch die Fenster hereinsehen und -hören. Denn zu hören gibt es in den nächsten 2,5 Stunden viel. Der extra angereiste Gitarrst aus Köln gibt erst mal ein Stück zur Einstimmung vor. Es folgt die Traurede vom Trauredner, gegenseitige Trauversprechen von Braut und Bräutigam, natürlich immer mit der vollständige Übersetzung jeweils. Dann sagt noch die Trauzeugin ein Gedicht, der Gitarrist spielt  etwas Munteres auf, dadurch wacht der ein oder andere aus seinem kleinen Nickerchen auf. Denn nun kommen die guten Wünsche der Eltern und ein Freund hat auch noch was vorbereitet...und wir sitzen und sitzen...Und genau das ist der Punkt: Für mich als Fotograf ändert sich nichts, es passiert nicht wirklich was. Vor lauter Langeweile hab ich schon alle Anwesenden porträtiert und versuche mich an einem Macro der Traukerze mit unscharfem Hintergrund des Brautstrausses...hab ja Zeit...

Und als dann endlich...alles gesagt ist, da geht es dann ans Gratulieren. Denn entgegen meiner Empfehlung zuerst mal aus dem engen Raum hinaus zu gehen und das Brautpaar vor den Tempel treten zu lassen und alle endlich an  die frische Luft zu lassen...nein, der Trauredner empfiehlt doch gleich mit dem Gratulieren anzufangen. Also rennen sich nun alle über den Haufen, denn jeder will mal ran an das Brautpaar und die ersten drängeln dann raus, wobei die Draussengebliebenen reindrängeln, die wollen ja auch mal....ich stell mich draussen hin und warte. Drinnen krieg ich eh kein Bild hin, weil niemand mehr daran denkt, daß auch herzliche Glückwünsche schöne Fotos zur Erinnerung wert sind und in dem Massenandrang kein Platz mehr für die Kamerafrau ist. Schade.

 

Wieder eine Stunde später haben wir es dann noch geschafft. Alle haben gratuliert, ich hab sogar geschafft die Menschenmassen zu einem großen Foto zusammenzustellen. Nun sind die Horden auf dem Weg und stürmen das Cafe und ich hab meine wohlverdiente halbe Stunde mit dem Brautpaar allein. Und bevor ich auch nur ein einziges Bild mache, lass ich die Zwei hinsitzen und durchatmen und sich mal in Ruhe anschauen! Denn diese zwei Menschen haben sich heute für den Rest ihres Lebens verbunden und sollten eigentlich das Wichtigste vom ganzen Tag sein. Nur für sich hatten sie bis dahin noch nicht eine einzige entspannte Minute. Und das sieht man  ihren Gesichtern auch an. Also mach ich Relaxtime mit Ihnen und erst danach entstehen die Bilder vom glücklichen Brautpaar. 

 

Merksatz No. 2 lautet daher: Es ist Eure Hochzeit und nicht die der anderen. Macht den Tag passend für Euch und nehmt Euch die Zeit es zu geniessen! Wer länger als eine halbe Stunde sitzt und zuhört, verliert die Aufmerksamkeit. wenn kleine Kinder dabei sind, wird es noch schwieriger Ruhe zu bewahren. Und muss wirklich jeder, den ihr kennt, bei der Trauung dabei sein? Eine Party gibt es ja auch noch und dann sind alle herzlich eingeladen.

 

Zum Merksatz No.1 - hier lang - bitte klicken -  !